6.4 Medienpsychologie

Dieses Kapitel stellt zum einen relevante Befunde der Medien­psychologie vor, zum anderen werden an geeigneter Stelle Bezüge zur Medien­produktion und zum Journalismus im Allgemeinen sowie zum Nutzwert­journalismus im Speziellen hergestellt. Die Kommunikations­psychologie nimmt dabei eine mikro­analytische Perspektive ein (zur Einführung vgl. Six et al. 2007). Zur Aufgabe der Medien­psychologie gehört es, Prozesse und Ergebnisse der Massen­kommunikation und der medialen Individual­kommunikation unter psycholo­gischen Aspekten zu analysieren, zu erklären und vorherzusagen (ebd.: 37). Der kognitive Apparat mit dem Gehirn als zentralem Organ ist letztlich die zuständige Instanz für das Planen und Ausführen von Handlung. Handlung allgemein und Kommunikation (Körper­ausdruck, Aktion, Abbildung, Sprache; vgl. Schmidbauer 2006: 109) als spezielle Handlung sind mit der Bewegung von Körperteilen oder letztlich der gesamten Person verbunden. Medien­handeln umfasst sowohl beobacht­bares Verhalten als auch innere, sogar unbewusste psychische Aktivitäten (Vogel, I. et al. 2007: 336). Die Medien­psychologie verwendet dabei methodisch den gesamten Vorrat sozial­wissenschaft­licher Erhebungs- und Auswertungs­methoden inkl. Befragung, Beobachtung und Inhaltsanalyse sowie zusätzlich Methoden der Psychologie wie lautes Denken, video­gestützte Gedanken­protokolle, physiolo­gische Messungen – Haut­leitfähigkeit, Herz- und Atemfrequenz, Hirnwellen­ableitungen, bildgebende Verfahren zur Dokumentation von Hirnaktivitäten,372 Pupillometrie (vgl. Kerkau 2006) – und weitere Verfahren (Six et al. 2007: 44ff.; Böhme-Dürr 2003: 291). Bei der Medienrezeption laufen eine Fülle nur zum Teil verstandener Prozesse im Individuum ab, bevor beobachtbares Verhalten entsteht oder es sich gegenüber dem Beobachter äußert. Die Methoden Beobachtung und Befragung können daher nur sehr beschränkt erfolgreich sein, um die Vorgänge während und nach der Medien­rezeption zu erforschen. Die Befunde verdeutlichen unter anderem, dass es sich beim einzelnen Rezipienten um ein hoch­individuelles Wesen handelt, dessen Informations­leistungen von zahlreichen, bisher nur teilweise bekannten Faktoren abhängt; das Aggregat Publikum wiederum besteht aus vielen derartigen Individuen, bei denen man teilweise über statistische Verfahren über­geordnete Zusammen­hänge feststellen kann. Andere natur­wissenschaft­liche Disziplinen373 wie die Neurobiologie, die erste Erkenntnisse auf anatomischer und funktionaler Mikro­ebene bereitstellen, könnten das Verständnis der Medien­rezeption künftig erweitern. Derzeit sind neuro­biologische Befunde jedoch nur bruch­stück­haft vorhanden und als größten­teils ungesichert anzusehen, sodass die hochkomplexen Abläufe kaum vollständig darzustellen sind, sondern eher das Ausmaß des Unwissens aufzeigen.

Ordnungsschema empirischer Befunde

Zahlreiche vorgefundene empirische Befunde aus der medien­psycholo­gischen Forschung und verwandter Forschungs­richtungen wurden zu einem Ordnungs­schema zusammengestellt, das auf den folgenden Seiten in vier Schritten vorgestellt wird. Zunächst wird ein Überblick (Abb. 6) darüber gegeben, dass die Befunde in drei Bereiche der Medien­rezeption einteilbar sind:

  1. in einen ersten Bereich der Voraus­setzungen, die bei einem Rezipienten vorhanden sein können;
  2. in einen zweiten Bereich von Aspekten, die während der Rezeption eine Rolle spielen können und auf die Person des Rezipienten bezogen sind;
  3. in einen dritten Bereich mit kurzfristigen oder langanhaltenden Wirkungen und Folgen der Medien­rezeption.

In den anschließenden Schritten werden ausgewählte Punkte der drei Teilbereiche besprochen und in den Kontext des Nutzwert­journalismus gestellt. Für alle weiteren im Ordnungs­schema aufgeführen Befunde wird auf die mediens­pychologische Fach­literatur verwiesen.

Abbildung 6: Überblick über das Ordnungs­schema für aufgefundene empirische Ergebnisse medien­psycholo­gischer Forschung

Die personalen Voraussetzungen der Medien­rezeption werden ausführlich in Abbildung 7 aufgeführt. Vorgänge und Bedingungen während der Rezeption stellt die Abbildung 8 dar. Mögliche Folgen und Wirkungen der Medien­rezeption für den Rezipienten sind – nach Dimensionen sortiert – in der Abbildung 9 genannt.

Quelle: Eigene Abbildung

Die Voraussetzungen eines Rezipienten sind im Ordnungs­schema unterteilt in eine kognitive Dimension (u. a. Wissen, Verarbeitungs­kompetenzen, kognitive Schemata), in eine emotionale Dimension (Gewohn­heiten, Persönlichkeits­eigen­schaften, Stimmung) und als Grundlage dessen in eine soziale Dimension (wie Sozialisation, situative soziale Voraussetzungen). Zu den Befunden medien­psycholo­gischer Forschung während der Rezeption gehört, dass die Informations­verarbeitung selektiv ist, die Mediennutzer nicht genannte Inhalte ergänzen, Stimmungen und Emotionen entstehen und die Rezipienten diese in einem bewussten Vorgang einsetzen und zulassen können (Stimmungs­management; siehe hier). Im Bereich der Wirkungen und Folgen der Medien­rezeption lassen sich die möglichen Wirkungsa­spekte wieder in verschiedene Dimensionen einordnen. In der kognitiven Dimension sind u. a. zu nennen: die Befriedigung eines Informations­bedürfnisses und die Änderung verschiedener Wissens­bestände (Lernen, Umvinterpretieren von Kennt­nissen, Vergessen). In der emotionalen Dimension in diesem Bereich liegen das Hervorrufen von (Basis-)Emotionen und Empathie, außerdem kultu­relle und ästhetische Erbauung, das Gefühl von Sicherheit durch Wissen oder auch die Befriedigung von Neugier. Für die soziale Dimension sei hier besonders auf die soziale Interaktion in Form von Anschluss­kommunikation hingewiesen, die den Leser eines Artikels dazu bringt, sich mit anderen über das vermittelte Thema zu unterhalten. In einer vierten, der operativen Dimension, geht es um Handlungen, die der Leser als Folge der Medien­rezeption ausführen könnte. Darunter wird die Umsetzung von Unter­stützungs­angeboten oder Anleitungen verstanden, wie sie typischerweise in Ratgeber­zeitschriften zu finden sind, wenn der Leser beispielsweise die einzelnen Schritte einer gedruckten Anleitung ausführt oder Orientierungs­wissen in die Tat umsetzt. Ebenfalls in die operative Dimension gehört es, wenn der Leser das Medium als externes Gedächtnis benutzt (etwa beim Ausschneiden und Aufheben einzelner Artikel aus Zeit­schriften). Als eine Wirkung der Medien­rezeption fällt es in die operationale Dimension, wenn der Rezipient sein Verhalten ändert. Für die korrespon­dierende empirische Unter­suchung wurden eine Reihe von Kategorien aus diesem Teil des Ordnungs­schemas für die Befragung operationali­siert, indem Statements gebildet wurden, denen die Befragten abgestuft zustimmen konnten (Eickelkamp 2009b: 367).

Individuelle Voraus­setzungen der Medien­rezeption, Medien­kompetenz

Die meisten Entscheidungen treffen Menschen alltäglich, ohne dass sie auf besondere Hilfe oder Unterstützung angewiesen sind. Je komplexer die Gesell­schaften werden, desto eher stehen jedoch ihre Mitglieder vor Problemen, für deren Lösung sie Vor­kenntnisse benötigen, die verschieden umfangreich und komplex sind und die der Einzelne erst in verschiedenen Stadien seiner individuellen Entwicklung erwirbt. Was für einen Teil der Bevölkerung zu den Grund­kenntnissen moderner Gesellschaften gehört wie das Beherrschen von Technologien wie Personal­computer oder Internet, liegt für einen anderen Teil außerhalb der jeweiligen Lernerfahrung. Neben Bildungs­einrichtungen können Medien der Bevölkerung Kenntnisse in neueren Technolo­gien vermitteln und Lösungen für Probleme anbieten. Medien können ebenfalls Wissens- und Problem­lösungs­angebote machen mit Wissens­inhalten, die über den Horizont der Allgemein­bildung hinausgehen oder die Lücken wiederauffüllen, die bei den Menschen zwischenzeitlich entstanden sind.

Dabei ist jedes einzelne Individuum vom nächsten zu unterscheiden, auch wenn sich Massen­medien nach wie vor an potenziell jeden wenden und Verlagshäuser und Rundfunkanstalten häufig von einem gemeinschaft­lichen Publikum ausgehen, an das sie sich wenden und das sie meist wenig differenzieren. Denn das Wesen des Individuums, seine kognitiven Funktionen und seine Intelligenz­leistung sind sowohl von seiner genetischen Grundlage (Veranlagung) als auch von der Umwelt beeinflusst, etwa dem individuellen Erleben innerhalb der Gesellschaft. Unklar in verschiedenen Kontexten (Sucht, Medien­nutzung) sind lediglich die jeweiligen Anteile von Vererbung und Umwelt­einfluss daran. Ebenso muss man davon ausgehen, dass Unterschiede zwischen Frauen und Männern, denen man eine Rolle für eine verschieden­artige Rezeption von Medien­inhalten unterstellen kann, einerseits kulturell vermittelt sind. Andererseits sind mindestens einige Unterschiede kognitiver Funktionen zwischen Frauen und Männern biologisch determiniert (vgl. Nature-Nuture-Debatte, Donges et al. 2005: 132f.). Sie sind bereits vorgeburtlich angelegt, bestehen seit der Geburt und beruhen später zusätzlich auf hormonellen Umstellungen während der Pubertät (Cahill 2005). Die Gehirnzellen tragen unterschiedliche Chromosomen­sätze (Geschlechts­chromosom) und sind ab der achten Lebenswoche des Fötus lebenslang von einer verschiedenen Mischung von Geschlechts­hormonen beeinflusst (Arnold et al. 2004: 1057). Auch reagieren die Gehirne von Frauen und Männern mit unterschiedlicher Empfind­lichkeit auf Stress und Konflikte (Brizendine 2007: 16), was sich auch auf das (Medien-)Lernverhalten auswirkt (Cahill 2005).

Zudem ist jedes Individuum einem Alterungs­prozess unterworfen, das auch seine kognitiven Fähigkeiten betrifft. Beim normalen, nicht krankhaften kognitiven Altern werden zwei verschiedene Prozess­typen beobachtet: die nachlassende geistige Leistungsfähigkeit basaler kognitiver Operationen einerseits und die alterungs­resistente Akkumulation von Wissen und Erfahrung andererseits. Der erste, neurokognitive Alterungs­prozess betrifft diejenigen Leistungsbereiche, die die Informations­verarbeitung weitgehend unabhängig von Vorwissen, Geschwindigkeit und Genauigkeit bewerkstelligen, wie das schlussfolgernde Denken. Wie Querschnitts­analysen zeigen, beginnt der kognitive Abbau beim Menschen im dritten Lebens­jahrzehnt, und Leistungs­unterschiede zwischen jungen Erwachsenen und 60- bis 70-Jährigen können in bestimmten Bereichen eine bis eineinhalb Standard­abweichungen erreichen. Der zweite Alterungsprozess kognitiver Leistungen beruht auf lebenslang akkumuliertem Wissen und geübten Fertigkeiten. Dadurch wirkt dieser Prozess teilweise kompensatorisch zum erstgenannten. Das intellektuelle Gesamt­leistungs­vermögen über die Lebens­spanne lässt sich nur im Zusammen­spiel beider Faktoren verstehen (Mayr 2006: 667f.). Der aktuelle Zusammenhang der zwei Größen im empirischen Rezipienten ist unbekannt, was Wissenschaftlern die Auswertung von Befragungen und Journalisten die Vorhersage von Medieneffekten erschwert. Anzunehmen ist jedoch, dass Medien­produzenten, die sich mit ihren Publikatio­nen an ein ausgewiesen betagtes Publikum wenden, diese Zusammenhänge in Form von Erfahrungs­wissen bereithalten und berücksichtigen. Ein weiterer Hinweis darauf, dass weder der Redakteur noch der Wissenschaftler von einem homogenen Publikum oder einer homogenen Stich­probe ausgehen kann, sind die funktionellen Asymmetrien: Die Gehirn­hälften sind seiten­spezialisiert, und dies bei allen Menschen in unterschied­licher Ausprägung (Jäncke 2006; Wager et al. 2003).

Journalistische Angebote werden also für ein Publikum erstellt, bei dem schon die ganz grundlegenden Voraussetzungen für die Rezeption und Verarbeitung von Information individuell sowie innerhalb der Geschlechter elementar verschieden sind. Ansatzweise versuchen Sozial­wissenschaftler und Marketing­strategen auf der Mesoebene, durch Lebensstil-Typologien und statistische Verfahren handhabbare Kategorien zu erhalten. Tatsächlich lassen sich Korrelationen zwischen sozialen Gruppen (Milieus) und der Medien­nutzung feststellen (Winterhoff-Spurk 2004: 48).

Personale Voraussetzungen der Medienrezeption mit Befunden der Medienspychologie sind in Abbildung 7 dargestellt. In der kognitiven Dimension geht es wesentlich um die mit dem neuronalen Apparat verbundene Verarbeitung von Sinnesreizen und erinnerten Inhalten, für die Wachheit (Vigilanz) und Aufmerksamkeit relevante Voraussetzungen bilden. In der Kategorie von Vorwissen und Bildung soll speziell auf die Medienkompetenz hingewiesen werden, die sich als ein Aggregat verschiedener anderer Voraussetzungen verstehen lässt. In der emotionalen Dimension sind die aktuelle Stimmung, vorhandene Emotionen, aber auch Einstellungen und Persönlichkeits­profile zu nennen. In die soziale Dimension sind komplexe soziale Habituations­muster, Werte und Normen sowie die aktuelle soziale Rezeptions­situation einzuordnen.

Neben einigen anderen Grundvoraussetzungen, wie dem hormonellen Status, der physiologischen Konsistenz, Drogeneinflüssen etc., sind in der kognitiven Dimension Vigilanz und Aufmerksamkeit dafür verantwortlich, in welcher Art und wie intensiv eine Person Information aufnehmen, verarbeiten, bewerten und ggf. darauf reagieren kann. Dies gilt für Mediendarbietungen ebenso wie für jede Art von externer Reizinformation. Vigilanz bezeichnet den Grad des allgemeinen Wachheits­zustandes einer Person und wird im Wesentlichen durch das Aktivitäts­niveau einer Region im Hirnstamm bestimmt (Karnath/Thier 2006, Glossar). Das Vigilanzniveau moduliert generell die Verarbeitung und Repräsentation eines oder mehrerer Reize, wogegen Aufmerksamkeit einen selektiven Einfluss darauf ausübt, wie ein spezifischer Reiz neuronal verarbeitet und repräsentiert wird (Treue 2006: 255). Die Art der Ausführung einer längeren Mediendarbietung wie eines Kinofilms kann den allgemeinen Wachheitszustand des Rezipienten beeinflussen, wenn der Regisseur Erzählweisen, Spannungsbögen und andere dramaturgische Mittel entsprechend wählt. Die Aufmerksamkeit kann er durch Bildaufbau, Ton und Geräuschkulisse kurzfristig beeinflussen. Im Printbereich sind es vor allem die Optiken, mit denen eine Zeitung oder Zeitschrift kurzfristig auf die Aufmerksamkeit einwirken kann. Auf die Vigilanz des Lesers kann ein Autor einen Einfluss ausüben, indem er den Modus verändert, mit dem er den Leser in den Stoff einbezieht und an ihn fesselt.

Abbildung 7: Ordnungs­schema empirisch erhobener Faktoren der Medien­psychologie: personale Voraussetzungen der Rezeption
Quelle: Eigene Abbildung

Wie alle biologischen Systeme versucht auch das Gehirn, Energie zu sparen. Mit einer Veränderung der Aufmerksam­keit ordnet es seine begrenzten kognitiven Ressourcen relevanten Reizen der äußeren und inneren Welt (Aufmerksamkeit nach außen bzw. nach innen) in einer Weise zu, dass dies ökonomisch ist (Schmidbauer 2006: 104). Schmidbauer (ebd.: 105) weist der Aufmerksamkeit vier wesentliche Funktio­nen zu:

  1. Orientierungsreaktion,
  2. selektive Aufmerksam­keit,374 
  3. Dauer­aufmerksamkeit,
  4. geteilte Aufmerksamkeit.

Während der Medienrezeption sind die letztgenannten drei Unterfunktionen der Aufmerksam­keit relevant: Mit der selektiven Aufmerksamkeit konzentriert sich der Rezipient auf den Medieninhalt oder Teile davon. Je nach Kontext der Mediennutzungs­situation spielt die geteilte Aufmerksamkeit eine Rolle, wenn der Rezipient gleichzeitig andere Tätigkeiten ausübt: Radiohören beim Autofahren, Fernsehen während der Hausarbeit, Zeitunglesen während eines Vortrags. Die Daueraufmerksamkeit ist gefragt, wenn die Medien­rezeption einen längeren Zeitraum einnimmt und die Medien­inhalte den Rezipienten bei der Bewältigung von Problemen unterstützen sollen.

Die Art und Weise, wie Menschen Information aus ihrer Umwelt aufnehmen und verarbeiten bzw. wie Rezipienten Lesestoff verwerten, hängt wesentlich von den drei Gedächtnisteilen sensorisches Gedächtnis, Arbeits- und Langzeitgedächtnis ab sowie von ihrer Zusammen­arbeit. Es muss die menschliche Gedächtnis­leistung als Gesamt­phänomen betrachtet werden, an dem die Mehrzahl der Gehirnteile beteiligt sind. Die Vorstellung, dass das Gedächtnis als ein organisiertes neuronales Netz verstanden werden kann, gewinnt an Raum. Das Langzeit­gedächtnis bearbeitet prozedurale Information, die durch assoziatives Lernen, beim Erwerb kognitiver und motorischer Fertigkeiten sowie bei Priming-Phänomenen eine Rolle spielen (Buchner 2006: 447; Konczak 2006: 624). Beim Priming beeinflussen aktivierte mentale Schemata die Wahrnehmung und Interpretation nachfolgender Information während der Medien­darbietung (Hannover et al. 2004: 180).

Im Langzeitgedächtnis verfügbar können Wissens­bestände, Fähigkeiten und Fertigkeiten dann als (Medien-)Kompetenzen definiert werden, wenn sie gemeinsam mit motivationalen Voraussetzungen eine Person dazu befähigen, ein Medien­verhalten kompetent auszuüben – funktional, kreativ, selbst­bestimmt und -reguliert, sozial und persönlich angemessen und verträglich (Six/Gimmler 2007: 272). Zu den Kompetenzen des Rezipienten gehören die Kenntnis,

  1. wie das jeweilige Medium das Bezeichnete in Zeichen überträgt (Codierkonvention),
  2. wie die Zeichen untereinander in Beziehung stehen (intermediale Organisations­prinzipien) und
  3. welche Beziehung zwischen dem Bezeichneten und den Zeichen­produzenten (hier: Journalisten) besteht, woraus sich eine Abschätzung über den Realitäts­gehalt und über den kommunikativen Status des Medien­inhalts ziehen lässt (Schwan/Hesse 2004: 79).

Diese Form des Wissens, das prozedurale Wissen, beruht auf sozial­kognitiven Fähigkeiten und bedeutet Wissen darüber, wie der Mensch eine Information verarbeitet und wie er mit einer Beobachtung umgeht (Charlton 2004: 138). Die zahlreichen medien­spezifischen Wahrnehmungs­schemata muss der Mensch im Laufe seiner Individual­entwicklung erwerben (ebd.: 139). Zentral dafür, dass ein Individuum innerhalb der generellen Entwicklung zum gesellschaftlich handlungsfähigen Subjekt Medien­kompetenz entwickelt, ist die Anschluss­kommunikation über die Medien­nutzung mit anderen (Groeben 2004: 39).

Im Gehirn sind Veränderungen der Anzahl und der Art neuronaler Verbindungen ständig möglich (Schenk-Danzinger 2002: 38f.). Auch bei Erwachsenen reorganisieren sich die funktionellen Netze fortwährend. Diese Neuro­plastizität wird als Grundlage zahlreicher Lernprozesse angesehen (Muellbacher 2006: 513f.). Wenn Menschen bei der Nutzung von Medieninhalten sowie bei der Bedienung technischer Medien im Laufe der Zeit Erfahrungen sammeln und einüben, ist dies nicht nur mit einer größer werdenden Wissens­(an)sammlung zu begründen, sondern auch neuroanatomisch mit der Umorganisation von Nerven­verbindungen im Gehirn.

Offenbar bilden die Individuen zudem eigene kognitive Stile aus (vgl. hier) und unterscheiden sich mehr oder weniger konstant in der Art der Informations­verarbeitung voneinander. So können Personen mit einem ›differenzierten kognitiven Stil‹ einzelne Komponenten eines komplexen Reizmusters (Presse: Beitrag mit Text, Foto, Infografik) schnell und voneinander isoliert wahrnehmen, während die Wahrnehmung einer Figur bei Menschen mit einem ›globalen Stil‹ sehr stark vom jeweiligen Hintergrund beeinflusst wird und sie Gedanken und Gefühle weniger gut trennen können (Herkner 1996: 127f.). Brosius et al. (1991) belegten in einer Studie, wie schlecht Zeitungsleser in der Lage sind, Informationen in einem wissenschaftlichen Sinn rational zu verarbeiten. Die Versuchspersonen (n = 142) konnten Überschriften nach ihrer Validität und auch Größen­ordnung von Problemen nur fehlerhaft einschätzen, selbst wenn der Meldungs­text Angaben dazu machte (ebd.: 423).

Der Kompetenz­begriff wird auf vielfältige Bereiche bezogen: allgemein als Informations- und kommunikative Kompetenzen, Selbst­bestimmungs-, Orientierungs-, Selektions- und Entscheidungs­kompetenzen, spezifisch als Lesekompetenz, Bild-, Film- und Fernseh­kompetenz, Unterhaltungs- und Werbe­kompetenz, als Kenntnisse und Fähigkeiten für die Inbetriebnahme und Bedienung technischer Geräte, als Computer- oder Handy­kompetenz sowie als die Fähigkeit zum lebenslangen Lernen (Winterhoff-Spurk 2004: 158; vgl. Six/Gimmler 2007: 281).

Obwohl es eine Reihe von Interdependenzen gibt, kann das Verhältnis von Kommunikations­kompetenz zu Medienk­ompetenz auf zwei unterschiedliche Weisen aufgefasst werden:

  1. mit der Kommunikations­kompetenz als Grundlage von Medienkompetenz und
  2. mit der Medienkompetenz als Teilbereich innerhalb der Kommunikations­kompetenz (Six/Gimmler 2007: 275).

Innerhalb der wissenschaftlichen Fach­gebiete hat der Großteil der verschiedenen (Sub-)Konzepte für Medien­kompetenz, obwohl diese interdisziplinär angelegt sind, seine Basis oder seinen Schwerpunkt in der Pädagogik, seltener sind Medien- oder Kognitions­psychologie oder die Kommunikations­wissenschaften der Ursprung (ebd.: 281f.). Allgemein kann Medienkompetenz als Fähigkeit für einen kritischen, selbstbestimmten, kreativen und verantwortlichen Medienumgang verstanden werden. Die Medienkompetenz bewirkt etwa, dass Präsentations­formate wie Nachrichten, fiktionaler Film/Spielfilm oder Werbung in der Regel zuverlässig als solche erkannt werden. Medienproduzenten stellen die schematischen Vorwissens­strukturen der Rezipienten in Rechnung, wenn sie Medieninhalte gestalten (Schwan/Hesse 2004: 81), genauer gesagt: Sie verfügen über Erfahungs­werte darüber und machen Voraussagen über die Schemata und das Wissen der Rezipienten (siehe hier).

Six und Gimmler (2007: 282ff.) stellen ein Konzept der Medien­kompetenz mit zehn Dimensionen vor,375 dem als Menschenbild ein zielgerichtet handelndes Subjekt zugrunde liegt. Dessen Bewusstheits­grad seiner Handlungen kann sehr unterschiedlich sein; vorhandene Erfahrungen und Wissens­bestände können etwa bei sich wiederholenden Situationen für unbewusst ablaufende Routinen genutzt werden. Für die Rezeption nutzwert­journalistischer Angebote sind insbesondere die Dimensionen Urteils­kompetenz sowie Auswahl- und Integrations­kompetenz interessant. Zur Urteils­kompetenz zählt die Fähigkeit zur Analyse und Bewertung der Medien­produktion unter formalen und inhaltlichen Kriterien. Damit beurteilt der Rezipient Realitätsgehalt und Glaub­würdigkeit und bewertet Nutzungs­optionen im Vergleich zu medien­internen und -externen Alternativ­optionen. Er stellt Überlegungen an über die subjektive Funktionalität und das Kosten-Nutzen-Verhältnis und prüft, inwiefern sich die medial vermittelte Information realisieren lässt. In der Dimension Urteils­kompetenz laufen somit wesentliche Bewertungs­vorgänge ab, mit denen der Rezipient die praktische Umsetzbarkeit für sein Alltagsleben prüft. Die Auswahl- und Integrations­kompetenz betrifft die tatsächliche Umsetzung des vermittelten Inhalts. Die Fähigkeit, situative Bedingungen wie die akute Realisierbar­keit einzuschätzen (im Einklang mit eigenen Wertvorstellungen, aber auch im Hinblick auf Verpflichtungen anderen gegenüber) und eine Abstimmung auf Alltags­belange im Sinne der Integration in das akute Erleben vorzunehmen, werden mit dieser Kompetenz berührt. Gerade in dieser Dimension kann ein Teil der Handlungen automatisiert ablaufen.

Zwei weitere Dimensionen der Medien­kompetenz spielen für den Nutzwert­journalismus eine wenn auch weniger spezielle Rolle: Das Hintergrundwissen umfasst unter anderem Kenntnisse über einzelne Medien­anbieter und ihre Interessen, was in einen Qualitäts­eindruck der Publikation oder des einzelnen Beitrags münden kann. So kann ein Rezipient mit dem Hintergrundwissen, dass privatwirtschaftliche Fernseh­anstalten aus Rücksicht auf ihre Werbekunden etwa bei vergleichenden Warentests Markennamen nicht preisgeben, eine nutzwert­journalistische Präsentation anders bewerten, als wenn diese etwa von einem öffentlich-rechtlichen Sender stammt, der derartige Rücksichten nicht zu nehmen braucht. Die distributorische und partizipatorische Kommunikator­kompetenz ist dann relevant, wenn der Rezipient eine Rückmeldung an die Anbieterseite (wie Leserbrief per E-Mail) geben oder sich etwa an Diskussionen in Online-Foren beteiligen möchte. Auf die Bedeutung von Rezipienten-Feedback für Nutzwert­journalisten und deren Erfahrungs­bildung wurde in der vorliegenden Arbeit bereits hingewiesen.

Die Rezeptions­situation wird in hohem Maße von der emotionalen und psychischen Verfassung der Rezipienten bestimmt, auf die im Folgenden eingegangen wird. Intraindividuelle Faktoren wie Stimmung, Gesundheitszustand oder Hormonzyklen spielen eine sehr große Rolle. Dazu kommen die interindividuellen Faktoren wie das Geschlecht, das Alter, die Bildung oder Persönlichkeits­faktoren (Schramm/Hasebrink 2004: 477).

Emotion, Stimmung, Einstellung, Persönlichkeit

Emotionen oder Affekte376 sind aktuelle psychische Zustände von Personen sowie Reaktionsmuster, die durch auslösende Ereignisse, speziell: reale oder imaginierte spezifische Personen oder Objekte, erzeugt werden. Menschen erleben sie gewöhnlich als Gefühle; sie werden von körperlichen Reaktionen und charakteristischen Ausdrucksphänomenen (Gestik, Mimik, Vokalisation etc.) begleitet.377 Die körperlichen Veränderungen reichen vom endokrinen System über das Immunsystem bis zur Motorik und bereiten den Körper durch

  1. eine generelle Aktivierung,
  2. spezifische Erregungs­veränderung oder/und
  3. ein spezifisches Verhalten

darauf vor, in dem bestimmten Kontext möglichst effektiv zu handeln. Die handlungs­vorbereitende Funktion wird häufig von einem Emotions­ausdruck begleitet, welcher der Kommunikation der Gefühlszustände dient (Vogel, I. 2007: 136; Hamm, A. 2006: 527). Reaktionen der Körper­peripherie stehen jedoch nicht in eindeutiger Beziehung zu spezifischen Emotionen und Stimmungen (Kempter/Bente 2004: 281).

Häufig werden prototypische Basisemotionen formuliert: Angst, Ärger, Fröhlichkeit (Freude, Vergnügen, Befriedigung) und Traurigkeit (Leid, Kummer, Depression; Zillmann 2004: 104). Insgesamt muss man festhalten, dass es bisher eher unverstanden ist, wie das subjektive Gefühl mit den sicht- und messbaren körperlichen Veränderungen zusammenhängt, sodass man schlecht von einem Verhalten auf das Gefühlserleben oder umgekehrt schließen kann.

Für die Verarbeitung von Information allgemein wie auch während der Medienrezeption sind Emotionen bedeutend, da sie Lebens- oder Welt­betrachtungen ein positives oder negatives Gepräge geben und ihre Engrammierung ins Gedächtnis als episodische (im Raster der Zeit fixierte) Inhalte sichert. Später aufgenommene Inhalte werden rasch als übereinstimmend mit einem Erfahrungs­inhalt und somit als vertraut erkannt (Schmidbauer 2006: 106). Die Erregung ist bei Emotionen intensiver als bei Stimmungen, sie dauert weniger lang und ist stärker auf die auslösenden Ereignisse fokussiert. Emotionen sind stärker mit Motivation verbunden (Zillmann 2004: 102).

Menschen nehmen laufend subjektive Bewertungen von Objekten (Reizen, Verhaltens­weisen, Begriffen, Begriffssystemen) vor, die sich längerfristig und auf Erfahrung beruhend als Einstellungen manifestieren. Als Einstellungen werden häufig recht zeitstabile, summarische Bewertungen von Objekten verstanden, wozu Personen, Personen­gruppen, Institutionen, Gegenstände, Themen, Sachverhalte, Verhaltens­weisen, Situationen und Orte zählen können. Bestimmt werden Einstellungen sowohl von Merkmalen aufseiten des Objekts als auch des situativen Kontextes und des Einstellungs­trägers selbst (Six 2007: 91). Da ein Mensch grundsätzlich zu jeder Kognition eine Einstellung haben kann und die Kognitionen­ in semantischen Netzwerken organisiert sind, hängt die Einstellung zu einem konkreten Objekt von den Bewertungen der Einstellungs­objekte ab, die mit ihm verbunden sind (Herkner 1996: 181).

Kommunikation und somit auch Medienhandeln beeinflusst Einstellungen ohne eine Absicht des Kommunikators oder absichtsvoll. Sie können, je nach wissenschaftlicher Perspektive, als abhängige Variable oder als Moderatorvariable verstanden werden; jedenfalls können die Zusammenhänge zwischen Einstellungen und Kommunikation sehr vielseitig sein (Six 2007: 92f.). Insgesamt haben Einstellungen somit Einfluss auf die Qualität der journalistischen Aktivitäten (Auswahl, Gestaltung, Übermittlung der Inhalte) sowie bei den Rezipienten auf die Selektion, Bewertung und Verarbeitung der Inhalte (ebd.: 94ff.). Massenmedien sind in der Lage, die Einstellungen ihrer Rezipienten zu verändern und in gewissem Umfang ihr Verhalten zu beeinflussen. Persuasion als Beeinflussung durch Überzeugungs­kommunikation kann das Ergebnis bewusster Verarbeitung der Inhalte sein, aber auch ohne ein explizites Verständnis der ›Botschaften‹ passieren, etwa durch periphere Hinweisreize, die eine geringe kognitive Aktivität erfordern (Hannover et al. 2004: 190f.). Empirisch sind nur geringe Zusammenhänge festzustellen zwischen verschiedenen Verhaltens­weisen einer Person, die sich alle auf dasselbe Einstellungsobjekt beziehen, und einstellungs­bezogenen Verhaltens­weisen (Herkner 1996: 224). Zunehmend werden beein­flussende individuelle und situative Variablen und vorgelagerte sozial-kognitive Prozesse mit ins Blickfeld genommen (Six 2007: 109). Gute Verhaltens­vorhersagen aufgrund von Einstellungen lassen sich nicht treffen (Hannover et al. 2004: 192f.; Herkner 1996: 211). Verhalten erweist sich als ein dermaßen komplexer Sachverhalt, dass es mit wenig­dimensionalen oder -faktoriellen Modellen kaum vollständig zu erfassen sein wird.

Als Persönlichkeit bezeichnen Psychologen das Profil eines Menschen aus Merkmalen des Verhaltens und Erlebens, das ihn zuverlässig von anderen unterscheidet und ihn phänomenal einzigartig macht (Schmitt 2004: 152f.). Es stellt einen weiteren Faktor dar, der die Rezeptionssituation beeinflusst. Mit Persönlichkeits­eigenschaften als relativ zeitstabile Variablen lässt sich das Verhalten von Menschen in bestimmten Situatio­nen beschreiben und vorhersagen. Zur Erfassung der fünf robusten Persönlichkeits­faktoren Neurotizis­mus, Extraversion, Offenheit für Erfahrungen, Verträglichkeit und Gewissen­haftigkeit hat sich das ›NEO-Fünf-Faktoren-Inventar‹ (Big Five) nach Costa und McCrae bewährt (Körner et al. 2002), das auch in der korrespondierenden Befragung des Verfassers der vorliegenden Arbeit verwendet wurde (Eickelkamp 2009b: 367).

Bezogen auf die Medienrezeption bei Menschen mit verschiedenen Persönlichkeits­faktoren sind einige Ergebnisse von Studien interessant:

  1. Emotional labile und ängstliche Menschen (mit einem hohen Grad an Neurotizis­mus) nutzen Medien zur Emotions­regulierung (siehe hier), indem sie sich durch fesselnde und stimmungs­aufhellende Medienprodukte Ablenkung und Beruhigung verschaffen. Wie eine entgegen­gesetzte Hypothese besagt, setzen sich solche Mediennutzer bevorzugt denjenigen Medienangeboten aus, die zu ihren Befürchtungen und zu ihrer negativen Grundstimmung passen (Stimmungs­kongruenz­effekt).
  2. Ängstliche Menschen zeigen eine Vorliebe für Informations­sendungen. Dies lässt sich in zweifacher Weise interpretieren: Wenn sie Informations­sendungen des Ratgeber­genres aufsuchen, kommt dies einerseits ihrem Sicherheits­bedürfnis entgegen, andererseits impliziert das Medienangebot auch, dass das zu bewältigende Problem existiert, was die Befürchtungen bestätigt.
  3. Auf bedrohliche Medienangebote reagieren ängstliche Rezipienten je nach Bewältigungsstil mit der Vermei­dung der Medienreize, oder sie wenden sich den Medien in ängstlicher Haltung zu.
  4. Extrovertierte Menschen bevorzugen Publikationen, die intensive und wechselnde Reize bieten, während introvertierte eher reizarme Angebote wählen (Schmitt 2004: 159f.). Die Interpretation derartiger Ergebnisse sollte jedoch mit Vorsicht geschehen, da die Zahl möglicherweise beteiligter Faktoren groß ist.

Wie dieser Teil der Aufstellung zeigt, liegt bereits eine Reihe von im Individuum begründeten Faktoren vor, die in Verbindung mit Art, Dauer und Ergebnis der Aufnahme, Selektion, Verarbeitung und Deutung sowie Konsolidierung von Medienreizen stehen können, bevor sich überhaupt der Rezipient aktuell einer Mediendarbietung aussetzt. Diese Voraussetzungen werden zum Teil im Laufe der Ontogenese eines Menschen gebildet und gefestigt, zum Teil sind sie erst kurz vor Beginn der Medienrezeption von Bedeutung. Faktoren, die während der Rezeption relevant sein können, werden im folgenden Abschnitt behandelt.

Vorgänge, Bedingungen und Informations­verarbeitung während der Rezeption

Medienreize lösen messbare Reaktionen in unterschiedlichen Organ­systemen des Menschen aus (Kempter/Bente 2004: 278). Die Weiter­leitung und Verarbeitung von Reizen vollzieht sich wesentlich im Nervensystem, wo während der Rezeption von Medien eine Reihe verschiedener Prozesse abläuft, die die Selektion, Verarbeitung und Bewertung von Informations­inhalten, Emotionen und Modellen betreffen und mit zahlreichen Rahmen­bedingungen in Verbindung zu stehen scheinen (Abb. 8). Zunächst erfasst und verarbeitet das Gehirn ohnehin nur einen Teil des Reiz­angebotes seiner Umwelt. Es nimmt laufend und aktiv eine Auswahl, Bewertung und weitere Bearbeitung der Information vor, die es durch die sensorischen Kanäle erhält oder die es im eigenen Wissens­vorrat bereithält und aktivieren kann. Dies ist bei jedem Individuum unterschiedlich und hängt ab vom genetischen Hintergrund, der jeweiligen Umwelt­orientierung, von Interessen, von der Struktur und der onto­genetischen Reife der kognitiven Funktionen der Person (Schenk-Danzinger 2002: 33). Kognition kann dabei als Ausdruck allgemeiner Denkvorgänge oder als Sammelbegriff für alle Vorgänge oder Strukturen verstanden werden, die mit dem Bemerken und Erkennen zusammen­hängen: Wahrnehmung, Erinnerung, Begriff, Gedanke, Plan (zur Entwicklung kognitiver Modelle vgl. Milz 2002: 201ff.). Der kognitive Apparat funktioniert nicht als neutraler Beobachter der Außenwelt, und das Ergebnis menschlicher Informations­verarbeitung ist nicht ein getreues Abbild der Wirklichkeit, sondern ein Konstrukt, welches das Gehirn ressourcen­schonend, selektiv und anforderungs­orientiert mit dem Ziel erstellt, wesentliche Grund­funktionen des Organismus wie eine erfolgreiche Interaktion mit der Umwelt zu erfüllen und die Anforderungen, Bedürfnisse und Ziele des Individuums zu berücksichtigen (Schwan/Hesse 2004: 75). Insofern stützen neuro­psychologische Befunde konstruktivistische Theorien und Aussagen.

Die Leistungsfähigkeit der Informations­verarbeitung und ihre Grenzen werden bei der Verarbeitung visueller Information deutlich. Um sie zu beschleunigen, verwendet das Gehirn bei der Kompression der Information offenbar eine große Anzahl an Tricks und Näherungslösungen, die auch Sinnes­täuschungen hervorrufen können. Ein anderer Typ von Fehl­leistungen sind Konfabulationen: ungewollte, fehlerhafte Produktionen aus dem Gedächtnis, die provoziert worden sein oder spontan auftreten können (Schnider 2006: 463). Die Interpretation von Rückwärts­sprache oder räumlichen Gegenständen (Erkennen von Gesichtern in Wolken) sind weitere Beispiele für Grenzen einer Schema-gestützten Informations­verarbeitung. Um zu einer gelungenen Kommunikation zu gelangen, wird der Journalist bemüht sein, dem Rezipienten eindeutige Information in einem Sinne anzubieten, dass dieser die Inhalte in der gleichen Weise interpretiert, wie der Journalist es selbst getan hat.

Innerhalb einer Großhirn­hälfte stellen Leitungsbündel Verbindungen zwischen Gehirnteilen her. Mit ihnen werden Daten weitergeleitet, emotional gewichtet und für Planungen bereitgestellt (Schmidbauer 2006: 111). Ob beim Lesen eines Artikels oder dem Gang durch einen Supermarkt: Laufend koordinieren sich verschiedene Gehirn­areale miteinander, leiten Information weiter, bewerten und selektieren sie. Eine Schlüssel­position nimmt dabei der Hirnstamm mit der zentralen Struktur Thalamus ein, die dafür verantwortlich ist, ob Information bewusst wird oder unterhalb der Bewusstseins­ebene bleibt (Tschabitscher 2006: 84ff.). Damit ein Mensch szenisch-episodische Abläufe korrekt wahrnehmen kann, wie sie im Medienbereich bei Darbietungen aus dem Rundfunk-, Kino- oder Theaterbereich auftreten, muss er zudem ein sicheres Zeitgefühl von Inhalten empfinden. Im Nutzwert­journalismus sind Anleitungen meist in einzelne Schritte aufgelöst, deren Reihenfolge einzuhalten ist, sodass dieser Aufbau szenisch-zeitlichen Abläufen entspricht, wie der Leser sie aus dem Alltagsleben kennt und worauf die menschlichen Gehirnteile von Grund auf ausgerichtet sind.

Abbildung 8: Ordnungsschema empirisch erhobener Faktoren der Medien­psychologie: während der Rezeption auftretende Vorgänge und Bedingungen
Quelle: Eigene Abbildung

Offenbar regulieren Einstellungen (siehe hier) die Selektion und Speicherung derart, dass zum einen positiv bewertete Reize eher wahrgenommen und gespeichert werden als negativ bewertete. Nach welchem Mechanismus dies geschieht, ist unklar: Nach der Hypothese der Wahrnehmungs­erleichterung erkennt das Gehirn positiv bewertete Reize schneller und auch unter ungünstigeren Bedingungen; die Hypothese der Wahrnehmungs­abwehr besagt dagegen, dass die Aufnahme negativer Reize schwieriger ist als die neutraler oder positiver Reize (Herkner 1996: 205). Zum anderen lernen Menschen einstellungs­konsistente Informationen schneller als einstellungs­inkonsistente, diese aber immer noch besser als neutrales oder irrelevantes Material. Das Gehirn scheint Einstellungen als Schemata zu verwenden (ebd.: 209f.).

Diese Zusammenhänge können Journalisten berücksichtigen: erstens generell bei Form und Inhalt der Angebote und zweitens speziell, wenn sie mit Medienangeboten wie im Nutzwert­journalismus Auswirkungen auf den individuellen Lebens­alltag von Rezipienten bis hin zu Verhaltens­änderungen beabsichtigen.

Leon Festingers (*1919 †1989) Theorie der kognitiven Dissonanz (Festinger 1957) folgend empfindet es der Rezipient als unangenehm, wenn die dargebotene Information dem eigenen Standpunkt widerspricht und er sich für die Konsequenzen seines Verhaltens verantwortlich fühlt, wobei er freie Entscheidungs­gewalt hat und die Konsequenzen möglichen Verhaltens vorhersehen kann. Dieser Zustand führt automatisch zu Prozessen, die Dissonanz beseitigen oder reduzieren zu wollen (Herkner 1996: 34, 270). Neben der so begründeten aktiven Suche des Rezipienten nach Informationen, die den eigenen Standpunkt stützen, werden entgegengesetzte Such­strategien beobachtet: So kann jemand Alternativ­information (zum eigenen Standpunkt) bevorzugen, wenn sie für die Zukunft nützlich ist, indem sie negative Konsequenzen (des Handelns nach eigenem Standpunkt) vermeiden hilft (ebd.: 208f.).

Im Langzeit­gedächtnis wird Information eingelagert, konsolidiert, ggf. dabei verändert, reproduziert und, offenbar maßgeblich durch Interferenz mit konkurrierender Information, vergessen. Abweichungen des erinnerten Inhalts vom Original­inhalt sind insbesondere dann zu beobachten, wenn Lern- und Abrufkontext nicht übereinstimmen (Buchner 2006: 447), insbesondere wenn der emotionale Bezugsrahmen unter­schiedlich ist.

Medieninhalte im journalistischen Kontext haben demzufolge dann während der Rezeption eine gute Chance, aufgenommen und dauerhaft ins Langzeitgedächtnis gespeichert zu werden, wenn die Inhalte mit einer Emotion verknüpft werden, seien es Skandal­nachrichten des Boulevard­journalismus oder im Nutzwert­journalismus die Ankündigung, dass eine Information nützlich ist und Positives bewirkt. Wichtige Einzelheiten sollten nach ein bis zwei Sekunden wiederholt werden, damit sie die Rezipienten länger im Arbeits­gedächtnis behalten. Sollen die Leser oder Zuschauer sich an aufgenommenes Wissen zu einem späteren Zeitpunkt erinnern, etwa beim Ausführen von Tipps und Tricks oder Anleitungen, wird die Erinnerungs­leistung besser sein, wenn der Beitrag den Leser bei der Rezeption in dieselbe emotionale Stimmung versetzt hat, die er voraussichtlich in der späteren Praxis erlebt. Wenn Journalisten dem Rezipienten dagegen beispielsweise zwei Lösungs­wege für ein Problem gleichwertig anbieten, fördert dies eher das Vergessen.

Der Mensch nutzt Medien unter anderem als externe Speicherorte von Gedächtnis­inhalten und um bestimmte mentale Operationen (Programme) auszulagern oder zu vereinfachen. Während ›beschreib- und lesbare‹ Medien jedweder technischer Natur378 das aktive Auslagern und Rückholen von Information erlauben, stellen die meisten Massen­medien mit ihrer vorwiegend unidirektionalen Kommunikation einen vorgefertigten Daten­vorrat als externen Speicher zur Verfügung. Wenn der Rezipient dies nutzt, entlastet er sowohl sein Langzeit- als auch das Arbeits­gedächtnis. Neben das Memorieren von Inhalten tritt das Erinnern daran, an welchen externen Stellen und über welche Zugangsweise Information verfügbar ist (Quellenwissen) sowie eine Zusammen­fassung der dort abgelegten Detail­information (Zielwissen). Bei der Entscheidung (hier: während der Rezeption), ob ein Sachverhalt ins eigene Gedächtnis aufgenommen wird oder sich der Mensch nur den externen Speicherort merken soll, scheinen komplexe Kosten-Nutzen-Erwägungen abzulaufen (Schwan/Hesse 2004: 90f.).

Insgesamt verarbeiten Rezipienten Medieninhalte, abhängig von den spezifischen Rand­bedingungen, vollständig automatisch bis vollständig kontrolliert – wobei diese beiden Extreme die Eckpunkte eines Kontinuums darstellen – und erhalten demgemäß unterschiedliche Verarbeitungs­ergebnisse. Von einer vollständig kontrollierten kognitiven Verarbeitung kann man ausgehen, wenn der Rezipient die Medien­inhalte absichtsvoll aufsucht und für die Ergebnisse der Bearbeitung persönliche Verantwortung übernimmt (Hannover et al. 2004: 181f.). Während der Rezeption kann es vorkommen, dass die Verarbeitung eines Medieninhalts und der Mediengestaltung im Arbeitsspeicher des Gehirns mehr kognitive Ressourcen (amount of invested mental effort, AIME) erfordern, als dem Rezipienten aktuell zur Verfügung stehen, was zur Überforderung führt. Die Medien­präsentation kann den Rezipienten durch ihre Struktur oder Art überfordern: wenn die vorgegebene Verarbeitungs­zeit zu knapp bemessen ist, wenn die Anzahl der simultan dargebotenen Zeichensysteme zu hoch oder ihre Art zu komplex ist oder wenn sie zu viele kognitive Subprozesse startet (Schwan/Hesse 2004: 83ff.). So kann das räumlich oder zeitliche voneinander getrennte Anbieten verschieden codierter Information (etwa Text und Abbildung) beim Rezipienten den Effekt geteilter Aufmerksamkeit hervorrufen und die kognitive Belastung steigern. Medien­produzenten können dem entgegenwirken, indem sie in integrierten Formaten jeweils zusammengehörige Elemente auch gemeinsam darstellen (Vermeiden der Text-Bild-Schere). Wenn Darbietungen verschiedene Sinnes­modalitäten bedienen, insbesondere den visuellen und auditiven Verarbeitungskanal adressieren, kann dies die Belastung des Rezipienten senken. Bei Redundanzen ist dagegen eine zusätzliche Belastung des Arbeits­gedächtnisses zu erwarten (ebd.: 85), selbst wenn dadurch die im Langzeit­gedächtnis liegenden Informationen konsolidiert werden, was ihre spätere Nutzung erleichtert.

Der Rezipient versucht nicht nur, die Medieninhalte zu erfassen, sondern er beurteilt sie zusätzlich im Hinblick auf ihre Faktizität, indem er die Werkkategorie (»Handelt es sich um eine Dokumentation oder eine Soap, einen Sachbeitrag oder einen Roman?«) und den Darstellungs­realismus (»Wie lebensecht wirkt das Dargestellte?«) einschätzt (vgl. Medien­kompetenz) sowie den Inhalt auf Plausibilität prüft (»Könnte das wirklich passieren?«). Einschränkend für die Qualität dieser Beurteilung ist der Umstand, dass viele Medien­nutzer Defizite hinsichtlich ihrer Rahmungs­kompetenz aufweisen, das heißt, sie können nicht einschätzen oder wissen nicht, wie die Produzenten des Dargebotenen arbeiten, wie sie auswählen, wie sie Medien­formate gestalten und welche kommunikative Absicht sie haben. Daher muss man davon ausgehen, dass zumindest ein Teil der Rezipienten Medien­inhalte selbst dann für die Wiedergabe realer Begebenheiten hält, wenn diese keine sind (ebd.: 81f.). Bei Doku-Soaps und Doku-Fictions setzen Regisseure dies als Stilmittel ebenso bewusst ein wie Verlage, die redaktionell gestaltete Anzeigen veröffentlichen (siehe Kapitel 4.3).

Medienangebote können generell Emotionen erzeugen, und Journalisten berücksichtigen oder planen das Aufkommen bestimmter Emotionen bei den Rezipienten, wenn sie ihre Beiträge erstellen. Denn wenn etwa nutzwert­journalistische Beiträge als problematisch empfundene, angstbesetzte oder gar existenz­bedrohende Themen wie Krankheit, den möglichen Verlust des Arbeits­platzes oder einen Zusammenbruch des Welt­finanzsystems behandeln, belegen Rezipienten die einlaufende Information regelmäßig mit individuell und geschlechts­spezifisch unterschiedlichen Emotionen. Der Rezipient kann bei der Darstellung einer gesundheit­lichen Gefahr Empathie mit den Opfern empfinden und gleichzeitig Angst erleben, selbst einer Gefahr ausgesetzt zu sein. Nachrichten über Gefahren, aber auch Informationen über Entfaltungs­möglichkeiten und Chancen verursachen Basis­emotionen (siehe hier). Auf Unterhaltung angelegte Darbietungen erzeugen überwiegend empathische Emotionen, sind aber ebenfalls in der Lage, Basis­emotionen auszulösen (Zillmann 2004: 118f.).

Von real ausgelösten Emotionen einerseits und medial vermittelt ausgelösten andererseits kann man annehmen, dass sich diese hinsichtlich der erlebten Intensität unterscheiden. Die Bedeutsam­keit für die individuelle aktuelle Motivations­lage wird als geringer angenommen, wenn Massen­medien über ein Ereignis berichten, das eine Vielzahl von Personen betrifft, als wenn die Ereignisse persönlich von Belang oder für individuelle Ziele ausschlaggebend sind (Vogel, I. 2007: 148). Vor diesem Hintergrund können nutzwert­journalistische Beiträge mit einer ausge­sprochenen Rezipienten­orientierung im Mittelfeld zwischen rein nachrichtlichen Medien­darstellungen und nicht medial vermittelten, persönlich erlebten Ereignissen angesiedelt werden. Daher kann man für wahrscheinlich halten, dass nutzwert­journalistische Angebote in zumindest einigen emotionalen Faktoren stärkere Wirkungen ausprägen, als dies bei rein informations­journalistischen Angeboten der Fall ist.

In einem lebens­pragmatischen Sinn kann sich eine Person nach einer als unterhaltsam empfundenen Darbietung durch aktivierte Emotionen, angenehme Stimmung oder Entspannung in eine Lage versetzt haben, in der sie bevorstehende Anforderungen des täglichen Lebens besser meistern kann. Dies dient der allgemeinen Stärkung der Person, was man mit Alltags­begriffen wie ›Energie sammeln‹ oder ›sich erneuern‹ kennzeichnen kann (Zillmann 2004: 118). Das wird im Nutzwert­journalismus in breiter gefassten Themen­bereichen wie Wohlfühlen (›Wellness‹) oder im psychologischen Bereich eingesetzt.

Leserinnen von Frauen­zeitschriften gehen grundsätzlich sowohl rational­ als auch emotional mit den Publikationen um: Sie nehmen rational-inhaltliche Botschaften wahr und ziehen – unabhängig davon – aus den Inhalten für sich einen emotionalen Nutzen in Punkten, die zum eigenen Leben passen. Dabei scheinen Leserinnen an höherpreisige wie niedrigpreisige Frauen­zeitschriften gleichermaßen emotionale Erwartungen und Ansprüche zu stellen, obwohl diese sich in Papier­qualität und grafischer Gestaltung stark unterscheiden (Steinbrenner 2002: 209f.). Kommunikation und Identifikation zwischen den Rezipientinnen und den Publikationen finden dabei offenbar sowohl auf der rational erfassbaren themen­abhängigen Ebene als auch auf einer unbewussten Ebene statt. Diese emotionale Bindung und das Bild, dass die Leserin von der Zeitschrift hat, befinden sich im ständigen Wandel (ebd.: 214f.). Dagegen fühlen sich Leserinnen einem unangenehmen psychologischen Druck ausgesetzt, wenn ihnen die Abweichung der Eigen­wahrnehmung ihrer eigenen Person vom medial vermittelten Frauenbild (allzu) bewusst wird. Mode- und Diät-Themen, die einen schlanken, perfekten, modischen und gut aussehenden Typus vorgeben, sind offenbar je nach Glaubwürdigkeit der Umsetzung für die Akzeptanz oder Ablehnung der Rubrik oder der gesamten Zeitschrift verantwortlich (ebd.: 202).

Zugleich sprechen Medien­angebote den Intellekt an; Rezipienten sind in der Lage, durch die gezielte Auswahl von Medien­angeboten einen Weg aus einer zuvor bestehenden unangenehmen oder weniger angenehmen Stimmung zu finden. Nach dieser Theorie des Stimmungs­managements (mood management, nach Zillmann 1988) wählt der Rezipient die Angebote unverzüglich, quasi automatisch und ohne mühsames Überlegen aus und betreibt damit eine emotionale Selbstmedikation (Zillmann 2004: 121). Der Theorie­ansatz verbindet erregungs­psychologische und -physiologische Überlegungen mit behavioristischen und neugier­motivations­theoretischen Über­legungen und gilt als experimentell gut überprüfbar (Vogel, I. 2007: 150; Vorderer 1995: 549f.).

Wie bei der Verwendung von Medien als externes Gedächtnis können Rezipienten sie auch nutzen, um aktiv den eigenen kognitiven Verarbeitungs­aufwand zu verringern. Sie tun dies, indem sie Medien­angebote als externe Repräsentationen verwenden und diese, wenn möglich, beeinflussen. Bei interaktiven Medien ist dies der Fall. Verfügt der Rezipient über die notwendige Nutzungs­kompetenz und ist er in der Lage und bereit, eine größere Anzahl von Handlungs­entscheidungen während der (manipulierten) Rezeption zu treffen, kann er Form, Abfolge und Inhalt der Medien­präsentation beeinflussen. Bei der Mehrzahl journalistischer Medien ist das (noch) nicht in dem Ausmaß der Fall wie etwa bei Computerspielen oder Programmen zum Erstellen der Einkommensteuer­erklärung. Sind diese Voraussetzungen nicht gegeben, kann sich der Rezipient desorientieren, das Angebot fehlnutzen oder eine höhere kognitive Belastung erfahren (Schwan/Hesse 2004: 91).

Die Medien­rezeption ist ein Prozess mit einem Zeitverlauf, bei dem sich die dargestellte emotionale Bewertung eintreffender oder erinnerter Information in den verschiedenen episodischen Fragmenten der Medien­darbietung immer wieder ändert. Da provozierte Erregungs­zustände anders als im realen Leben sehr schnell aufeinander folgen können und emotionale Reaktionen nicht ungehindert ihren Lauf nehmen, beeinflusst die Resterregung vorhergehender Episoden in der Regel die Reaktion auf die folgenden. Erregungs­übertragung ist in allen Kommunikations­formaten festzustellen und begünstigt übermäßig intensive emotionale­ Reaktionen (Zillmann 2004: 120). Dies gilt sowohl in fiktionalen Angeboten, wo der Effekt durch handwerkliche und tradierte Erfahrung bei der Dramaturgie häufig bewusst eingesetzt wird (vgl. Vogel, I. 2007: 151f.), als auch bei nicht fiktiven Kommunikations­formaten, etwa im Aufbau von Nachrichten­sendungen aus Nachrichtenfilmen.

Medienschaffende berücksichtigen die unterstellten kognitiven und emotionalen Prozesse der Rezipienten und ihre Fähigkeiten und Motivation, indem sie je nach Zielpublikum unterschiedliche Schwierigkeits­niveaus und Darstellungsformen wählen, was sich etwa in der Länge von Presseartikeln und der Schwierigkeit der Satz­konstruktionen manifestiert. Ferner bereiten sie die Medien­inhalte verschieden auf, je nachdem ob der Rezipient sie systematisch (etwa: Anleitung) oder heuristisch (etwa: Orientierung) verarbeiten soll (Hannover et al. 2004: 191f.). Selbst Medienangebote wie Fernseh­nachrichten, bei denen man den Rezipienten eine systematische Verarbeitung unterstellen möchte, werden als eher heuristische Informations­verarbeitung mit geringer Aufmerksamkeit und wenig Interesse verstanden (Unz/Schwab 2004: 505).

Wie der hier behandelte Bereich empirisch erhobener Faktoren, die während der Rezeption eine Rolle spielen können, insgesamt zeigt, handelt es sich beim kognitiven Apparat keineswegs um einen neutralen Beobachter der Außenwelt oder von Medien­darbietungen. Vielmehr verarbeitet er die Informationen selektiv und anforderungs­orientiert.

Zudem ist seine Leistungsfähigkeit begrenzt, was besonders bei multi­codalen Informations­präsentationen relevant wird. Verschiedene theoretische Ansätze wie die der Wahrnehmungs­abwehr und -erleichterung oder Festingers Theorie der kognitiven Dissonanz sind eher an bewusste als an unbewusste Anteile der Informations­verarbeitung im zentralen Nervensystem angebunden und widersprechen sich teilweise. Das kognitive System bedient sich des Langzeit­gedächtnisses für alle Informationen, die für wenige Minuten bis lebenslang benötigt werden; es speichert sie – mit Emotionen und Bedeutung versehen – ein, konsolidiert und reproduziert sie unterhalb der Bewusstseins­schwelle, ohne dass diese Vorgänge im Detail verstanden wären. Ihre Bedeutung nicht nur fürs explizite Lernen und Vergessen, sondern auch für den Modus der Medien­rezeption, ist offensichtlich. Ohnehin muss betont werden, dass die emotionale Bewertung von Inhalten fortwährend und automatisch bei jeder Art einlaufender Information oder Medien­präsentation geschieht, sodass man den emotionalen und erregungs­bezogenen Aspekt bei als ›unemotional‹ geltenden Medien­inhalten wie technischen Anleitungen oder Nachrichten­sendungen nicht vernachlässigen darf. Mit dem notwendigen Zeitgefühl für Inhalte, Priming und Erregungs­übertragung sowie mit Interaktionen mit dem Medium werden Aspekte der dynamischen Rezeption angesprochen. Neben der unterbewussten existiert auch eine vollständig kontrollierte Verarbeitung der Medien­inhalte, die dazu führen kann, dass sich ein Rezipient zum Stimmungs­management gezielt bestimmten Inhalten aussetzt. Derartige (hier: beab­sichtigte) Folgen und Wirkungen von Medien­rezeptionen sind empirisch umfassend untersucht worden, zumal sie sozial­wissenschaft­lichen Methoden zugänglich sind. Im folgenden Abschnitt werden sie weitergehend besprochen.

Folgen und Wirkungen der Medien­rezeption, das Lösen von Problemen

Im dritten Bereich des hier vorgestellten Ordnungsschemas befinden sich diejenigen Befunde medien­psycholo­gischer Studien und der Rezeptions­forschung, die sich mit den Folgen und Wirkungen für den Rezipienten befassen (Abb. 9). Ein Großteil davon lässt sich durch Befragung und Beobachtung realer Personen erheben und wurde auch für die begleitende empirische Untersuchung zur vorliegenden Arbeit verwendet (Eickelkamp 2009b: 355ff.). Da die wesentlichen Befunde in der Fach­literatur ausführlich behandelt werden, soll der Fokus dieser Arbeit auf der Kategorisierung der Befunde liegen. Wie bei den in der Person des Rezipienten begründeten Voraus­setzungen (Abb. 7) lassen sich die einzelnen Punkte in eine kognitive, eine emotionale und eine soziale Dimension kategorisieren. Zusätzlich wurde eine operative Dimension eingeführt, die unter anderem das – für den Nutzwert­journalismus relevante – umsetzungs­orientierte Handeln des Rezipienten aufnimmt. Der ebenfalls im vorliegenden Kontext interessante Bereich der Problemlösung ist in der kognitiven Dimension anzusiedeln; er wird auf den folgenden Seiten genauer besprochen.

Abbildung 9: Ordnungsschema empirisch erhobener Faktoren der Medienpsychologie, ergänzt um nutzwertjournalistisch relevante Faktoren: mögliche Folgen und Wirkungen der Medienrezeption
Quelle: Eigene Abbildung

Probleme stellen in der Wissenschaft neutral bewertete, unbewältigte Aufgaben dar, während sie im alltagssprachlichen Gebrauch häufig als Schwierigkeiten aufgefasst werden, die zu beheben sind. John Dewey (1910/1951: 10) hat die Bedeutung des Wortes ›Problem‹ für das Alltags­leben auf alles ausgedehnt, das Unsicherheit erzeugt, erstaunt und zum Denken anspornt, gleich wie alltäglich oder trivial der Inhalt ist. Auch stellt jede menschliche Aktivität den Menschen ständig vor die Aufgabe, Entscheidungen zwischen mehreren Wahl­möglichkeiten zu treffen (Mietzel 1998: 271). Man kann klar und unklar definierte Probleme voneinander unterscheiden. Bei klar definierten Problemen ist ein eindeutiges Ziel benannt; die für die Lösung relevanten Informationen sind vorhanden; es gibt nur eine richtige Antwort und eindeutige Kriterien dafür, wann sie gefunden ist. Bei unklar definierten Problemen kann das Ziel sehr unbestimmt sein, weshalb eine hohe Unsicherheit bestehen kann, welcher Lösungsweg einzuschlagen ist; es fehlen eindeutige Kriterien, nach denen die Qualität der Lösung bewertet werden kann (ebd.: 274f.).

Wenn ein Mensch ein Problem vorfindet, unterscheidet er in der Regel einen Anfangszustand (häufig die aktuelle Situation) von einem angestrebten Endzustand. Um den Unterschied zwischen dem Ist- und dem Soll-Zustand aufzuheben, also die Lösung herbeizuführen, unternimmt er meist mehrere Maßnahmen, die in der Regel eine schrittweise Annäherung an das Ziel zur Folge haben. Der Organismus ist aktiv, er identifiziert Regeln, mobilisiert Kenntnisse und kognitive Strategien und wendet sie an (ebd.: 273f.). Seltener führt ein Umweg oder eine entgegengesetzte Maßnahme zum Erfolg; meist werden solche Strategien erst angewendet, wenn die schrittweise Näherung in eine Sackgasse führt.

Mietzel (1998) unterscheidet algorithmische und heuristische Methoden, mit denen ein Mensch eine Problemlösung finden kann. Beide eignen sich für klar und unklar definierte Probleme. Mit einem Algorithmus ist die Lösung garantiert, wenn die Person die spezifizierten Regeln der Strategie genau befolgt. Rezepte sind typische Anleitungen dafür, ein Problem algorithmisch zu lösen. Für unklar definierte Probleme wenden die Menschen im Alltag heuristische Methoden an: Sie nutzen Faust­regeln oder intelligente Abkürzungen und verknüpfen Wissens­bestände, arbeiten bewusst oder unbewusst mit Vermutungen und nach Versuch und Irrtum. Optische und andere Sinnes­täuschungen sowie Fehl­schlüsse sind möglich, eine Lösung ist nicht garantiert. Dafür wendet der Mensch eine kürzere Zeit zur Lösungssuche auf, als wenn er systematisch vorginge. Die Suche nach einem Weg in einer räumlichen Umgebung ist ein typisches Problem, das der Mensch heuristisch löst (ebd.: 274ff.). Offenbar nutzen die Geschlechter verschiedene Strategien bei der Lösung von Problemen: Während Männer – am Beispiel mentaler Rotationsprobleme untersucht – generell effektiver visuell-räumliche, holistische Strategien nutzen, bevorzugen Frauen weniger effizient verbale oder analytische Strategien, die in einem etappenweise verlaufenden Prozess münden (Jordan et al. 2002: 2397). Die unter­schiedlichen Strategien werden in anderen Kontexten in ähnlicher Weise gefunden (Tranel et al. 2005).

Im Nutzwert­journalismus besteht eine typische Arbeit von Redakteuren und Experten darin, stellvertretend für den Rezipienten unklare Probleme heuristisch zu lösen und den gefundenen Lösungsweg oder den besten mehrerer gefundener Lösungswege anschließend für den Rezipienten als Algorithmus so darzustellen, dass dieser zuverlässig ans Ziel gelangt. Beispielsweise finden Redakteure von Computer­zeitschriften für das Problem, eine Textstelle in einem Schreibprogramm kursiv zu setzen, heuristisch mehrere Lösungswege (über Menü­befehle, Symbol­leisten, das Kontextmenü der Maustaste), stellen dem Leser jedoch nur die aus ihrer Sicht am besten geeignete Möglichkeit mit einer Schritt-für-Schritt-Anleitung vor. Dies gilt im Grundsatz auch für vergleichende Waren­tests: Das Problem für den Konsumenten besteht darin, aus einer Vielzahl von Angeboten dasjenige Produkt oder diejenige Dienstleistung auszuwählen, das oder die am besten seinen Kriterien entspricht. Die heuristische Lösungs­strategie, nach Versuch und Irrtum verschiedene Waren zu kaufen und auszuprobieren, gerät schnell an die Grenzen des für ein Individuum Machbaren. Die Redaktion einer Test­zeitschrift kann dies stellvertretend nach allgemein anerkannten oder eigenen Kriterien und Verfahren übernehmen und wendet dabei Algorithmen an, als deren Ergebnis ein Testbericht und implizite oder explizite Kauf­empfehlungen stehen. Bisher nicht untersucht ist, ob die erst ansatzweise verstandenen geschlechts­spezifischen Problemlösungsstrategien im praktischen Journalismus berücksichtigt werden. Plausibel wäre, dass etwa weibliche und männliche Nutzwert­journalisten ihr unterschiedliches Erfahrungs­wissen dazu nutzen könnten, bei Anleitungen oder Problemlösungs­vorschlägen je nach anvisierter Leserschaft die unterschiedlichen Grundmuster visuell-räumlich versus verbal, analytisch versus holistisch etc. zu verwenden.

Wenn die Rezeption von Medieninhalten Menschen darin unterstützt, ein Problem zu erkennen und zu lösen, sind deutlich bewusste mentale Zustände und weniger unbewusste Zustände des Rezipienten angesprochen, man kann also annehmen, dass dieser die Information aktiv und mit hoher Aufmerksamkeit wahrnimmt und verarbeitet. Im Ordnungs­schema ist das damit bezeichnete Lernen und Interpretieren von Kenntnissen zur Problemlösung in der kognitiven Dimension angesiedelt und die Umsetzung des Wissens zur Problemlösung, bei der ebenfalls ein nicht geringer Grad an Bewusstsein unterstellt werden darf, in der operativen Dimension. Als zumindest teilweise bewusst können weitere Aspekte angenommen werden, die methodisch der Befragung zugänglich sind, da sie von den Rezipienten selbst beobachtet oder erinnert werden können: die Änderung von Verhalten, die Befriedigung von Informations­bedürfnissen und Neugier, die Bestärkung persönlicher Werte sowie die Änderung einiger emotionaler Zustände. In unterschied­lichen Anteilen muss dabei auch eine unbewusste Verarbeitung angenommen werden, die zumindest dann mit der sozial­wissenschaft­lichen Methode der Beobachtung erfasst werden kann, wenn sie in Verhalten mündet. Von natur­wissenschaftlichen, etwa bildgebenden Verfahren der Neurobiologie lassen sich bei unbewussten psychischen Vorgängen derzeit höchstens Aktivitäts­niveaus von Gehirn­regionen messen, die jedoch keine Interpretation der Verarbeitungsleistung oder einen Bezug zum Inhalt der verarbeiteten Information zulassen.

Bis auf die Ausnahmen des koordinierten Handelns in der Gesellschaft und den Aspekt von geteiltem oder verteiltem Wissen in Netzwerken kognitiver Systeme beziehen sich alle im Ordnungsschema genannten möglichen Folgen und Wirkungen auf das Individuum und den Kontakt zu seiner direkten Umwelt. Wie bei den vorher­gegangenen Teilen des Ordnungs­schemas sind einzelne Kategorien in Unterkategorien bis in eine dritte Ebene gegliedert. So lässt sich beispielsweise die Vergewisserung der eigenen Lage (Surveillance) in der kognitiven Dimension der Unterkategorie Orientierungs­wissen innerhalb der Kategorie Änderung des Wissens­bestandes einordnen. Einzelne Elemente sind aber auch verschiedenen Dimensionen zuzurechnen. Bei der Bestärkung persönlicher Werte im Zusammenhang mit der Medien­rezeption etwa ist eine kognitive wie eine emotionale Komponente auszumachen; in der Abbildung sind zusammen­gehörige Faktoren mit verbundenen Strichen markiert.

Dass die Zusammen­stellung die empirischen Befunde der Medienrezeptions­forschung und Medien­psychologie ohne zuvor begründende Kriterien ordnet, kann als eine Schwäche gelten. Auch kann man nicht davon ausgehen, dass sie alle denkbaren Konsequenzen von Rezeptionen vollständig abbildet oder dass die Zuordnung in Dimensionen unzweideutig ist, was schon durch die nicht trennungs­scharfe Zuweisung einzelner Befunde zu mehreren Dimensionen offenbar wird. Auch wurde mit der Begrifflichkeit von möglichen Folgen und Wirkungen eine bewusst weit gefasste Bezeichnung gewählt, die auch Beobachtungen, Motive und Zwecke beinhalten kann. Dennoch wird mit den genannten Dimensionen und Zuordnungen ein Spektrum von Kriterien aufgespannt, das Anhaltspunkte für eine weitere Erforschung der mit der Rezeption grundsätzlich aller journalistischer Angebote in Zusammenhang stehenden Größen liefert. Die operative Dimension lenkt den Blick auf den intendierten oder vollzogenen Umsetzungsaspekt journalistischer Bericht­erstattung, der im Nutzwert­journalismus relevant ist, in anderen Journalismus­formen jedoch kaum eine Rolle spielt. Die zeitliche Dimension wird insofern berücksichtigt, als das gesamte Ordnungs­schema in die drei Bereiche Voraussetzung, Verlauf der Rezeption und mögliche Konsequenzen der Rezeption unterteilt ist, wobei der letztgenannte Bereich nicht weiter in Eintritts­zeitpunkt und Dauer einer Wirkung differenziert wird.


372 Als noninvasive, bildgebende Verfahren zur Untersuchung von Hirn­aktivitäten kommen die funktionelle Magnetresonanz­tomografie (syn. funktionelle Kernspinresonanz­tomografie) und die Positronen-Emissions-Tomografie zum Einsatz.

373 Eine andere Herangehens­weise als die natur­wissenschaftliche ist die Kontemplation. Die ausschließlich individuell erfahrbaren Erkenntnisse daraus sowie die Techniken dazu, wie die der buddhistischen Meditation, werden seit Jahrtausenden tradiert. Neuerdings werden erstaunliche Überein­stimmungen zwischen den Erfahrungen langjährig Meditierender und neurobiolo­gischen und psychologischen Befunden festgestellt (vgl. Singer/Ricard 2008).

374 Bei der Selektion kann relevante Information auch verloren gehen; beobachtete Effekte sind Unaufmerksamkeits­blindheit, Veränderungs­blindheit und Aufmerksamkeits­blinzeln (Müller/Krummenacher 2006: 253).

375 Diese Dimensionen sind: (1) Orientierungs­wissen, (2) Hintergrund­wissen, (3) Zeichen- und Gestaltungs­wissen, (4) technische Handlungs­kompetenz, (5) Urteils­kompetenz, (6) Selbstreflexions­kompetenz, (7) Auswahl- und Integrations­kompetenz, (8) Rezeptions- und Verarbeitungs­kompetenz, (9) Inhalts- und gestaltungs­bezogene Kommunikator­kompetenz, (10) distributorische und partizipato­rische Kommunikator­kompetenz.

376 Den Begriff ›Affekt‹ verwenden die moderne akademische Psychologie, Psychiatrie und Psychoanalyse als anglizistische Anlehnung an das englische affect. Er wird im neutralen Sinne und entsprechend dem Begriff Emotion verwendet (Vogel, I. 2007: 136; Städler 2003, »Emotion«; Häcker 2004, »Emotion«). Im deutschsprachigen Raum wurden dagegen früher, gelegentlich auch heute, vor allem emotionale Zustände großer Intensität, die eine Person kurzfristig und mit großer Heftigkeit vollständig ergreifen und beherrschen, als Affekt bezeichnet (Tewes 1999, »Emotionen«; Wenninger 2000, »Affekt«; Schrader 2004, »Affekt«). Die vorliegende Arbeit verwendet Affekt und Emotion synonym im erstgenannten Sinn.

377 Zur Abgrenzung: Unter ›Empfindung‹ versteht Milz (2002: 61) das einfache Erlebnis, das bei Einwirkung eines Reizes auf ein Sinnesorgan eintritt.

378 Etwa Papier: Notizzettel, Tagebuch; elektronische Systeme: Text­dateien in Computern und Netzen, Weblogs, Wikis, Kommentar­felder von Internet­seiten, Bild­dateien.