3.5 Nutzwertjournalismus im Hörfunk

Die Lage der wissenschaftlichen Literatur über den Hörfunk ist insge­samt leider unbefriedigend dünn. Selten werden in den vorliegenden Veröffentlichungen Ratgebersendungen oder ähnliche Formate genannt. Als eines der wenigen Beispiele für eine Hörfunksendung mit Forums­funktion steht UAWG – Um Antwort wird gebeten, die der damalige Süddeut­sche Rundfunk153 1979 ins Programm nahm. Es handelte sich um eine Call-in-Sendung, bei der nicht Experten die Fragen anrufender Zuhörer beantworten, sondern die Zuhörer ihre Erfahrungen untereinander aus­tauschen (Walker 2004: 501). 1988 gab es im westdeutschen Hörfunk 23 Wirtschaftsmagazine mit verschiedenen Konzeptionen: als Berichtsmedien über aktuelle wirtschaftliche Ereignisse, als Magazine mit sozi­alpolitischem Ansatz, die etwa das Mietrecht oder die Umweltfreund­lichkeit von Produkten thematisieren, als Misch- oder Sonderformen beispielsweise mit regionalen Schwerpunkten. Von den 23 untersuchten Magazinen waren elf aktuelle Magazine und drei Verbrauchermagazine (Hilgert/Stuckmann 1991: 36). Beispiele für nutzwertjournalistische Hörfunkproduktionen spannen sich über die gesamte thematische Palet­te. Unter dem Dach der ARD gab bzw. gibt es die Sendungen Behördentests und Ladenschluß (SWF 1), monatliche Stellenbörsen gemeinsam mit den lokalen Arbeitsämtern (NDR 2) oder die Diätaktion Pfundskur zusammen mit der Krankenkasse AOK und der Deutschen Gesellschaft für Ernäh­rung (SDR 1; Brünjes 1997: 79).

Insgesamt wandelt sich der Hörfunk zu einem reinen Begleit- und Nebenbeimedium, für das die Rezipienten eine geringere Aufmerksam­keit aufwenden als (noch) für das Fernsehen, auch wenn das fürs Radio­hören verwendete Zeitbudget – relativ gesehen – hoch ist. Die Program­me zahlreicher privatrechtlicher Sender sind stark formatiert; sie kom­men mit vergleichsweise äußerst geringen eigenredaktionellen Anteilen aus. Dadurch haben diese in den vergangenen Jahren weniger mit durch­dachten Sendekonzepten von sich reden gemacht, sondern sind eher durch Schleichwerbefälle unangenehm aufgefallen. Innovationen jünge­ren Datums in Bezug auf eine rezipientenorientierte Berichterstattung sind dem Verfasser weder bei öffentlich-rechtlichen noch bei privatrecht­lichen Sendeanstalten aufgefallen.


153 Die ARD-Anstalt Süddeutscher Rundfunk (SDR) bestand von 1949 bis 1998 in Baden-Würt­temberg und ging danach gemeinsam mit dem Südwestfunk im Südwestrundfunk auf.