2.4 Technikjournalismus

Das Berufsbild des Nutzwertjournalisten ist verständlicherweise, genauso wie die Gruppe der Akteure, die sich als Nutzwertjournalisten verstehen, relativ jung. Doch auch hier werden die im Journalismus derzeit aktuellen Debatten geführt. Einige Beiträge im Buch Technikjournalismus (Schümchen/DFV 2008) nehmen Stellung zur Berufsrolle und zum Selbstverständnis von Technikjournalisten (Anczikowski 2008). Die Berufsfeldbeschreibung ist am Thema orientiert: Als Technikjournalist wird verstanden, wer hauptsächlich über technische Themen berichtet. Die im Buch getroffenen Aussagen werfen ein Schlaglicht auch auf andere Journalisten, die sich mit Nutzwertjournalismus beschäftigen, da Technikjournalisten vielfältige Anknüpfungspunkte zum Nutzwertjournalismus haben. Denn von der thematischen Ausrichtung abgesehen weist der Technikjournalismus oft nutzwertige Formen und eine entsprechende Haltung dem Publikum gegenüber auf.

So fordert Schümchen (2008: 308f.) eine stärkere Professionalisierung und eine Qualitätsdiskussion. Nötig sei die systematische Qualifizierung von Technikjournalisten auf allen Ebenen, sowohl in der grundständigen Ausbildung als auch durch Weiterbildungsangebote. Technikjournalisten müssten die Bedürfnisse und Interessen ihres Publikums kennen und die journalistischen Methoden und Darstellungsformen beherrschen, um dem Publikum Nutzwert liefern zu können. Dies sind allerdings Voraussetzungen, die an sich für jeden erfolgreichen Journalismus gelten. Über die Nutzwertorientierung könnten auch Technikskeptiker erreicht werden.

Die Voraussetzungen für einen Technikredakteur definierte Josef Stummvoll schon 1935 unter anderem so: »Er muss Journalist und Techniker sein, ausschlaggebend ist die journalistische Begabung und Berufung […]. Er muss technische Begebenheiten mit ihren Auswirkungen und Zusammenhängen mit Politik, Wirtschaft, Recht und anderen Lebensgebieten richtig beurteilen können« (zit. n. Weise 2008: 58). »Der Leser möchte Beratung, Lebenshilfe, Kauftipps und Informationen, um Entscheidungen treffen zu können«, fasst Pipper (2008: 70) zusammen.

Ein Technikjournalist, der für Special-Interest-Zeitschriften tätig ist, soll den Leser an die Hand nehmen und durch den Produkt- und Dienstleistungsdschungel führen (Dunker 2008: 152). Er muss neben den üblichen journalistischen Fragen auch diese beantworten: »Für wen ist diese Technik/dieses Produkt geeignet? Wobei kann sie/es helfen, womit ist sie/es vergleichbar? Wie gut ist dieses Produkt/diese Dienstleistung und wie steht es/sie im Vergleich zu anderen da? Wie benutzt man das Produkt genau, um den bestmöglichen Nutzen zu erzielen?« (ebd.) Damit bezeichnet der Autor die nutzwertjournalistisch typische Rezipienten­orientierung sowie die Funktionen Anleitung und Orientierung.

Die ›Spezies‹ der Technikjournalisten ist bisher nur unzureichend wissenschaftlich untersucht worden (Anczikowski 2008: 17ff.). In einer Online-Befragung im Sommer 2006 wurden deswegen 238 Personen um Auskunft über ihr Rollenverständnis gebeten. Demnach herrschen drei Berufsrollen unter Technikjournalisten vor: 82 Prozent sehen sich als Vermittler und Informator, 59 Prozent als Erklärer und 53 Prozent als Berater. Die Befragten verstehen ihre Hauptaufgabe vor allem darin, möglichst neutral und präzise zu informieren (79 %), hoch komplizierte Sachverhalte einfach darzustellen (77 %) und dem Publikum Orientierung zu bieten (76 %). Weniger Zustimmung gab es für die zur Auswahl angebotenen Rollen des Kritikers (24 %) und des Unterhalters (22 %; ebd.: 20). Trotz dieser Berufsrollendefinitionen muss die aufklärerische Funktion als von außen gefährdet angesehen werden. Wie der Nutzwertjournalismus (siehe Kapitel 4.3) steht der Technikjournalismus wirtschaftlichen Interessen gefährlich nahe (ebd.: 24). Dabei ergibt sich unter Technikjournalisten ein ambivalentes Bild. Einerseits wird die Kritikfunktion des Technikjournalismus als sehr gering eingeschätzt. Testmagazine werden in großer Nähe zu den Herstellern gesehen, da die Anzeigen die Existenz der Redaktionen sicherten und deshalb viele Produkte unkritisch bejubelt würden, kritische Berichte hingegen selten seien. Andererseits wissen die Journalisten um die Problematik: Die Befragten stimmten zu 83 Prozent der Aussage zu, dass PR-Texten zu viel Vertrauen geschenkt würde; 75 Prozent bejahten, dass Technikberichterstattung zu eng mit kommerziellen Interessen verknüpft sei (ebd.: 25). Eine bessere Ausstattung der Redaktionen mit Ressourcen erhebt sich daraus als Forderung (ebd.: 27).