1.3 Vorgehensweise und Aufbau der Arbeit

Grundlage für die Annäherung an den Untersuchungsgegenstand ist eine Arbeitsdefinition für den Nutzwertjournalismus, anhand der einzelne historische und aktuelle Ausprägungen und Formen des Journalismus vorläufig dem Nutzwertjournalismus zugeordnet werden. Die Arbeit folgt einem induktiven Vorgehen, bei dem aus Beobachtungsaussagen allgemeine Aussagen über den Gegenstand getroffen werden sollen, ohne dass sie wie beim Verfahren der Grounded Theory einen geschlossenen Bestand vorliegender empirische Daten als ausschließliches Ausgangsmaterial verwendet. Zunächst werden die damit bestimmbaren Erscheinungsformen aus der pressegeschichtlichen Literatur ausgewählt, und es wird im historischen Kontext betrachtet, welche spezifischen Intentionen und Funktionen darin erkennbar sind. Anschließend werden auf der Makroebene verschiedene Rahmenbedingungen für den gegenwärtigen Journalismus in Deutschland dargestellt, da anzunehmen ist, dass die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gegebenheiten sowie die politischen Vorgaben und ihre rechtlichen Umsetzungen die Form, Möglichkeiten und Realisierung journalistischen Handelns maßgeblich beeinflussen. Hier sind der Verbraucherschutz, die rechtlichen Besonderheiten bei verbraucherjournalistischen Veranstaltungen (Warentests) und Publikationen (Beratungsangebote) zu nennen, sowie die Einflüsse von Public Relations und Werbung als weitere Formen der öffentlichen Kommunikation neben der des Journalismus.

Des Weiteren wird der Nutzwertjournalismus einerseits mit dem Fokus auf die journalistisch Handelnden beschrieben und werden seine Besonderheiten identifiziert, andererseits werden mit Blick auf die Medien die verschiedenen spezifischen Ausprägungen und Handhabungen herausgearbeitet. Wenngleich es kaum möglich sein wird, dabei ein vollständiges Bild zu zeichnen, sollten bei der Zusammenstellung bestehenden Materials doch so viele Beobachtungsaussagen zu ermitteln sein, dass aus ihnen sowie aus normativen und theoriegeleiteten Überlegungen die Funktionen des Nutzwertjournalismus abgeleitet werden können. Diese stellen zum einen die Anforderungen dar, die an die beteiligten Akteure in den Medien zu richten sind, zum anderen die Leistungen, die der Journalismus für die Rezipienten und die Gesellschaft erbringen kann. Die Ergebnisse der bis zu diesem Punkt erbrachten Ausarbeitung sollen in die abschließende Definition des Nutzwertjournalismus ebenso einfließen wie das Ergebnis der genannten empirischen Untersuchung. Darin waren aus dem beobachteten Sachverhalt und den theoretischen Überlegungen Indikatoren abgeleitet und ein Konstrukt ›Nutzwert‹ mit verschiedenen Dimensionen gebildet worden, das die in den Publikationen manifestierten Absichten der journalistischen Akteure abbildet. Das Konstrukt wurde einerseits für die Inhaltsanalyse journalistischer Beiträge und andererseits für die Erhebung der Interpretationen durch die Rezipienten mittels einer Befragung operationalisiert. Die Ergebnisse des Vergleichs von Inhaltsanalyse und Befragung sollen ebenfalls in die neue Definition des Nutzwertjournalismus einfließen.

Die kommunikationswissenschaftliche Theoriebildung ist noch nicht so weit fortgeschritten, dass sie eine anerkannte allgemeine oder eine Supertheorie für den Journalismus hervorgebracht hätte. Stattdessen bedient sich das Fach verschiedener Ansätze aus anderen Disziplinen und wendet Teile dieser mit mehr oder weniger Erfolg auf spezifische Fragestellungen an. Bei der Theoriediskussion der vorliegenden Arbeit werden daher die in der Medien- und Kommunikationswissenschaft geläufigen Theoriebereiche der Systemtheorien, der Handlungstheorien sowie Modelle aus der Medienwirkungsforschung und Befunde aus der Medienpsychologie daraufhin überprüft, inwiefern Anschlüsse an die Beobachtungsaussagen des Nutzwertjournalismus existieren und inwiefern sich die verschiedenen Ansätze dazu eignen, einzelne Phänomene zu erklären.

Abschließend werden die Schlussfolgerungen aus den Befunden und Erkenntnissen gezogen und im Hinblick auf die Relevanz für das wissenschaftliche Fach sowie für die journalistische Profession diskutiert, wodurch zum Schluss der Arbeit eine neue Definition des Nutzwertjournalismus abgeleitet werden kann.